Bruno Oberli hat ursprünglich das Metzgerhandwerk erlernt und später auf LKW-Fahrer umgesattelt. Nach einem langen Tag am Steuer plagten ihn immer öfter Rückenprobleme. „Abends unter der Dusche dachte ich jedes Mal, wie gut mir jetzt eine Massage täte“, erinnert sich der Gründer und Geschäftsführer von Aglaja. „Also fing ich an zu überlegen und zu zeichnen, wie sich das bewerkstelligen ließe.“ Ohne entsprechende Ausbildung aber mit großem technischen Verständnis ausgestattet, legte er einfach los. Mit Hilfe von Freunden und Kollegen entwickelte er den ersten Prototypen.
Volkskrankheit „Rücken“
Laut „Rückenreport“ der Rheumaliga Schweiz klagten 43 Prozent der Schweizer Bevölkerung im Jahr 2017 über Kreuz- und Rückenschmerzen in den letzten vier Wochen vor der Befragung. In Deutschland war 2021 fast ein Drittel der Menschen wegen Rückenschmerzen beim Arzt. Bruno Oberli hatte also guten Grund anzunehmen, dass nicht nur er den Wunsch nach der täglichen Massage verspürte. Zusammen mit seiner Ehefrau Jeannine Wäckerlin legte er 2007 den Grundstein für die Firma, die diesen Markt ins Ziel nahm.
„Wir hatten keinerlei Erfahrung, es war learning by doing“, erzählt er. „Eine Portion Glück war auch dabei, denn wir fanden auf Anhieb gute Leute, die uns mit viel Engagement unterstützten“, ergänzt sie. Ein Konstrukteur hat die technische Grundidee kongenial umgesetzt, passende Lieferanten der Einzelteile für ein Highend-Produkt gab es in der Schweiz ebenfalls. Eine Werkstatt in der Nähe, welche Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigungen bietet, hat von der Fertigung der Prototypen bis zur Montage der heutigen Serienteile die meisten Fertigungsschritte übernommen. Aus der anfänglichen Zusammenarbeit sind langjährige Partnerschaften entstanden, im eigenen Betrieb wird schließlich das Finish der Produkte durchgeführt.
Bürste mit Welleneffekt
Ein großer Teil des Entwicklungsaufwandes floss in die Perfektionierung der Bürste, erklärt Bruno Oberli: „Sie hat Hautkontakt und ist schon deshalb eine entscheidende Komponente. Die Bürste soll kräftig massieren, aber nicht kratzen oder gar die Epidermis abraspeln. Sie soll aber schon die abgestorbenen Hautpartikel entfernen. Dafür braucht es die richtige Borsten.“ Deren Enden werden mit einer Spezialmaschine abgerundet, ebenso spielen Anzahl und Anordnung der Borsten eine wichtige Rolle. Auf der Walzenbürste der Duschsysteme von Aglaja ist die Hälfte der Fläche mit Borsten versehen. Ihre V-förmige Anordnung erzeugt eine Wellenbewegung auf der Haut und verstärkt damit den Massageeffekt.
Dieser kann natürlich nur entstehen, wenn die Bürste rotiert, und zwar am besten siebzig- bis achtzigmal pro Minute. Die ideale Umdrehungszahl haben die Gründer von Aglaja durch Ausprobieren herausgefunden. Sie soll durchgängig zur Verfügung stehen, egal wie stark der Nutzer gegen die Bürste drückt. Der Motor muss natürlich klein genug sein, um ins Innere der Bürste zu passen, aber zugleich eine sehr hohe Leistung liefern. Außerdem muss seine Steuerung die wechselnde Last möglichst verzögerungsfrei kompensieren können.
Starker Antrieb mit Flüsterton
Damit sind schon einige Stärken des bürstenbehafteten DC-Motors 2642...CXR von FAULHABER aufgezählt. Er erledigt seine Arbeit im Inneren der Aglaja-Bürste mit der Unterstützung eines Planetengetriebes 22GPT mit einer Untersetzung von 72:1. Die Kombination bietet bei nur 26 Millimeter Durchmesser ein enormes Drehmoment, das auch bei kräftigem Druck die gleichmäßige Rotation gewährleistet.
Dieser Antrieb hat vor rund zwei Jahren ein Modell abgelöst, das von einem anderen Lieferanten stammte. Auf der Suche nach einer Alternative fand er diese bei FAULHABER und wurde noch zusätzlich überrascht: „Bei der Geräuschentwicklung liegen Welten zwischen den beiden Modellen. Der FAULHABER-Motor ist bei laufender Dusche praktisch gar nicht zu hören. Falls man ihn doch wahrnimmt, dann nur als leises Geräusch mit einer angenehmen Frequenz. Denn es kommt nicht nur auf die Lautstärke, sondern auch auf die Art des Tons an.“
Effizient und widerstandsfähig
Logischerweise muss der Motor auch Feuchtigkeit vertragen können. Obwohl die Außenseite der Bürste das Duschwasser weitgehend fernhält, lässt sich die Bildung von Kondenswasser innerhalb der Konstruktion nicht vermeiden. Dort dringt aber nicht nur schlichter Wasserdampf ein. Neben Resten von Shampoo und Duschgel sind es vor allem die Reinigungsmittel und ihre Dämpfe, die dem Innenleben der Massagegeräte zu schaffen machen können. „Ein gewöhnlicher Motor vom Massenmarkt würde keinen Monat durchhalten“, erläutert Bruno Oberli. „Dagegen zeichnen sich die FAULHABER-Motoren durch ihre große chemische Resistenz aus. Seit wir sie einsetzen, gab es noch keine einzige Reklamation.“
Das heißt, der Motor läuft und läuft…, und tut das dank seiner eisenlosen Technologie mit höchster Effizienz, nutzt also den verfügbaren Strom optimal aus. So hält der Akku bei täglicher Benutzung der Massagebürste durch zwei Personen gut drei Wochen. Etwas weniger sind es beim „Duschsystem supérieur“, das einen zweiten Motor für die Höhenverstellung der Bürste besitzt.
Skeptiker überzeugt
Aglaja vertreibt seine Produkte in die ganze Welt, wobei der Heimatmarkt Schweiz wenig überraschend eine überproportional große Rolle spielt. Für die meisten Kunden steht der Wohlfühleffekt der täglichen Kurzmassage im Vordergrund. Für rund ein Viertel von ihnen, so schätzen die beiden Inhaber, gibt es aber weitere Gründe auf die rotierende Bürste zu setzen. So wird sie etwa von Leistungssportlern auch zur regenerierenden Beinmassage nach Training und Wettkampf genutzt. Menschen mit Hautleiden verwenden sie zum Abreiben und Eincremen von Hautpartien am Rücken, die sonst schwer zu erreichen wären. Für Menschen mit Defiziten an der oberen Extremität kann die Bürste bei der täglichen Körperpflege eine zweite Hand ersetzen. Außerdem kann sie auch zur Lymphdrainage und Faszienmassage verwendet werden.
Wer zuerst skeptisch war, ist später doch überzeugt, erzählt Jeannine Wäckerlin: „Wir hören immer wieder eine typische Geschichte von den Paaren unter unseren Kunden. Einer von beiden möchte das Duschsystem haben, während der andere anfangs nicht viel davon hält. Ein paar Wochen nach dem Kauf ist der ursprünglich skeptische Partner vom Produkt begeistert und möchte gar nicht mehr ohne auskommen.“ Wellness auf Knopfdruck überzeugt eben doch.

